Atlasarbeit kompetent

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Einführung

Schon der Herausgeber des ersten Schulatlas im Verlag Hölzel, Blasius Kozenn, hat sich vor über 150 Jahren intensive Gedanken über sinnvolle Kartenarbeit im Unterricht gemacht. Bis heute wird aber der Atlas häufig nur dazu verwendet, um Dinge "nachzuschauen" oder zu "suchen". Dabei sind kartographische Medien ein Informationsmittel, das viel mehr bietet: Man kann nicht nur Informationen entnehmen, sondern auch räumliche Strukturen entdecken, geographische Thesen überprüfen, neue Karten ableiten oder die Karte in andere Darstellungsformen übertragen.

Im kompetenzorientierten Unterricht ist Methodenkompetenz eine wesentliche Säule der Kompetenzmodelle. Unbestreitbar ist Kartenarbeit eine der typischen geographischen und historischen Arbeitsmethoden und sollte daher im Fachunterricht einen großen Stellenwert haben.

In den österreichischen Lehrplänen wird Kartenkompetenz in den Bildungs- und Lehraufgaben, Lernzielen oder im Lehrstoff genannt. Die Palette reicht vom "Erwerben grundlegender Informationen über die Erde mit Globus, Karten, Atlas und Bildern" über "Arbeiten mit Karten" oder "Nutzung und Auswertung thematischer Karten" bis zu "kartografische Darstellungen interpretieren, anwenden und für Problemlösungen nutzen".

In den Bildungsstandards im Fach Geographie für den Mittleren Schulabschluss der Deutschen Gesellschaft für Geographie (7. Aufl., Juli 2012, gekürzt) werden als Elemente der Kartenkompetenz aufgezählt:

  • Grundelemente einer Karte nennen und den Entstehungsprozess beschreiben

  • verschiedene Karten lesen und auswerten

  • Manipulations-Möglichkeiten kartographischer Darstellungen beschreiben

  • topographische Übersichtsskizzen und einfache Karten anfertigen

  • einfache Kartierungen durchführen

  • einfache thematische Karten mit WebGIS erstellen

Eine systematische Theorie der kartographischen Methodenkompetenzen fehlt noch. Ein Ansatz könnte die grundsätzliche Unterscheidung der Elemente Kartographische Ausdrucksform (= Karte und andere kartographische Darstellungen), Inhalte (= Informationen über die Welt), Realraum und deren Beziehungen sein. Daraus ergeben sich neun verschiedene Methodentypen: Kartenauswertung, Kartenerstellung, Kartenumzeichnung, Karteninterpretation, Orientierung, Kartierung, Vermessung, Steuerung (von Geräten im Raum, z.B. mobile Roboter) und zuletzt die Veränderung des Raums durch reale Handlungen.

Vermessung und Steuerung sind technische Spezialmethoden, die wohl nur in Einzelfällen im technischen Unterricht eine Rolle spielen. Alle anderen Methodentypen werden aber in unterschiedlicher Gewichtung in Lehrplänen gefordert, wobei der Schwerpunkt eindeutig bei der Kartenauswertung und der daraus folgenden Interpretation liegt.

Auch für die Methoden der Kartenauswertung gibt es noch keine umfassende Systematisierung. Aber aus der langjährigen Beschäftigung mit Karten lässt sich eine grundsätzliche Gliederung in direkte Informationsentnahme und indirekte Informationsableitung ableiten, die vom Lesen einzelner Signaturen über die Auswertung von Signaturengruppen bis zur Interpretation mithilfe zusätzlicher nicht-kartographischer Informationen führt. Das „Ludwigsburger Modell“ (Hemmer/Hemmer/Hüttermann/Ullrich, 2010) definiert z.B. die Stufen

  • Dekodieren der (Karten-)Grafik

  • Karte beschreiben

  • Karte erklären

  • Karte beurteilen

und spricht vom einfacheren „Karten lesen“ und schwierigeren „Karten interpretieren“. Der „Österreichische Unterstufenatlas“ von 1989 und der „Große Kozenn-Atlas“ seit 2011 (beide Verlag Hölzel) enthalten eine Einführungsseite mit den Stufen

  • Aufsuchen von Namen

  • Aufsuchen von Sachverhalten

  • Feststellung von Verteilungen

  • Feststellung von Beziehungen

Für Atlasarbeit kompetent wird die Systematik der Abstufung auf elf Stufen erweitert:

  • Suchen: In einer vorgegebenen Anzahl von Karten werden Signaturen mit einer vorgegebenen Eigenschaft gesucht, z.B. nach einem Namen oder nach einem Merkmal. Die Suche kann durch Erschließungshilfen unterstützt oder frei sein.

  • Lesen: In vorgegebenen Karten oder Kartenausschnitten werden Informationen zu einzelnen Signaturen entnommen.

  • Messen: Die Geometrie (Lage, Distanzen, Flächengrößen) von Objekten wird gemessen, im erweiterten Sinn auch topologische Merkmale.

  • Planen: Planungsaufgaben sind Optimierungsaufgaben, z.B. einen Weg oder einen optimalen Standort für ein Geschäft finden. Ihre Komplexität kann daher sehr unterschiedlich sein, die Methode wurde trotzdem als mittlere Stufe definiert, weil sie im schulischen Umfeld meist im Sinne von Stadtplan lesen angewandt wird.

  • Vergleichen: Beim Vergleichen werden Kartenausschnitte verschiedener Regionen (oder eventuell einer Region und verschiedener Themen) gegenübergestellt und die Signaturengemenge vergleichend gelesen.

  • Erkennen: Im Sinne einer Mustererkennung werden hier Verteilungen oder räumliche Muster entdeckt.

  • Beschreiben: Im Gegensatz zum Lesen werden nicht nur einzelne Signaturen betrachtet, sondern auch deren räumliche Beziehungen. Eine Beschreibung beinhaltet zusätzlich eine Verbalisierung oder Umsetzung in eine andere nicht-kartographische Darstellungsform.

  • Typisieren: Bei der Bildung von Objekttypen werden aus Signaturenmerkmalen durch Klassifizierung und Kombination von Merkmalswerten Klassen, Kategorien oder Typen abgeleitet und dargestellt.

  • Abgrenzen: Raumtypen werden aufgrund typischer Mischungen von Objektverteilungen definiert und abgegrenzt.

  • Korrelieren: Verschiedene geographische Phänomene können im Sinne von „wo das eine, da (häufig) auch das andere“ räumlich miteinander verbunden sein. Durch Vergleich und Auswertung verschiedener thematischer Ebenen werden solche räumlichen Korrelationen aufgedeckt.

  • Skizzieren: Karten werden gedanklich oder zeichnerisch stark vereinfacht, um wesentliche räumliche Muster aufzudecken. Das zeichnerische Ergebnis wird als Kartenskizze oder mit einem französischen Ausdruck als „Croquis“ bezeichnet. Diese Methode führt schon in den Grenzbereich zwischen Kartenauswertung und Kartenumzeichnung.

Es gibt aus dem Verlag Hölzel und von anderen Anbietern eine große Anzahl an Arbeitsblättern und Vorschlägen zur Kartenarbeit. In vielen Fällen handelt es sich aber entweder um Topographieübungen und andere einfachere Aufgaben, spezielle Projekte, die zeitlich schwer im Unterrichtsalltag unterzubringen sind, oder es werden Materialien vorausgesetzt, die entweder einen Internetzugang oder umfangreiche Vorbereitungsarbeit erfordern.

Atlasarbeit kompetent will im Gegensatz dazu die Vielfalt der in den Hölzel-Atlanten und im digitalen Geothek-Atlas schon fertig vorhandenen Karten und Funktionalitäten nutzen, um schnell verfügbare Aufgaben zum Trainieren der Kartenkompetenz zu liefern. Diese sollen bewusst auch die komplexeren Stufen der Kartenauswertung einschließen, damit die zu Beginn angeführte Aussage, dass der Schulatlas vor allem zum Namen suchen dient, der Vergangenheit angehört.

Jede Aufgabe enthält ein Beschreibungsblatt für die Lehrkraft und je nach Aufgabentyp Anleitungs- und Arbeitsblätter für die Schülerinnen und Schüler. Diese Materialien werden als PDF angeboten.Im Beschreibungsblatt werden neben Informationen zur Verwendung auch Bezüge zu den Lehrplänen der verschiedenen österreichischen Schultypen (Stand 2015, bei den berufsbildenden Schulen tlw. Lehrplanentwürfe) und den Maturathemen im Fachleitfaden der AHS angegeben. Das Feld „Methodengruppe“ bezieht sich auf das Schema der Kartenkompetenz (s. oben). Die Auswertestufen sind oben beschrieben. Die Aufgabenbeschreibung ist durch die Lehrkraft an die Schülerinnen und Schüler weiterzugeben. Lehrer- und Schüler-Materialien sollten jeweils vor der Stunde vorbereitet werden, Lehrer- und Schüler-Werkzeuge und -Software müssen in der Stunde verfügbar sein. Die Unterrichtsmethode ist bei den Aufgaben meist Einzelarbeit, aber natürlich kann sie häufig in Partnerarbeit oder andere Formen modifiziert werden. Auch die Weiterarbeit mit den Kartographieergebnissen durch Präsentation, Diskussion usw. wurde nur angeführt, wenn sie unbedingt Bestandteil der Methode ist.

Zu einzelnen Aufgaben gibt es auch Vorschläge für Maturaaufgaben, bei denen die kartographische Arbeit ein Teil der gesamten Aufgabe ist. Diese Dokumente wurden bewusst als Word-Dokumente (im DOC-Format) abgespeichert, weil anzunehmen ist, dass je nach individueller Situation an der Schule verschiedene Adaptionen vorgenommen werden müssen. Während zu erwarten ist, dass der gedruckte Atlas immer zur Verfügung gestellt werden kann, ist der Zugang zu einem Computer mit der Geothek-CD oder zu Internetinformationen möglicherweise beschränkt.

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